Legionellen sind in der Natur überall verbreitet. Die winzigen Wasser-Bakterien leben in Flüssen, Seen, im Grundwasser und in feuchter Erde.
Darum finden sie sich auch in Trinkwasseranlagen. Doch Legionellen im Trinkwasser können schnell zur Gefahr werden, wenn sie sich unkontrolliert vermehren.
Tatsächlich steigt die Zahl der gemeldeten Legionellen-Infektionen in Deutschland an: so wurden 2019 noch 1548 Fälle gemeldet,
im Jahr 2024 waren es schon 2237 Fälle von Legionellosen. Das Kompetenznetzwerk für ambulant erworbene Pneumonien (CAPNetz) warnt vor einer hohen
Dunkelziffer von 15.000 bis 30.000 Menschen jährlich.
Legionellen sind Umweltkeime, die in natürlichen Gewässern und feuchten Biotopen (z. B. Kompost) leben.
Dort finden sie sich nur in kleinen Mengen und sind für uns Menschen unbedenklich. Anders verhält es sich mit Trinkwasseranlagen.
Hier haben die Bakterien ideale Lebensbedingungen, um zu wachsen: die richtige Temperatur, Stagnationswasser (Stagnationsleitungen)
sowie einen nährstoffreichen Biofilm.
Als technischer Maßnahmenwert gelten daher 100 KBE / 100 ml Wasser (nach Trinkwasserverordnung).
Erreichen oder überschreiten Legionellen diese hohe Konzentration im Wasser, bestehen ernste Gesundheitsrisiken,
die sofortiges Handeln erfordern.
Legionellen kann niemand sehen, schmecken oder riechen. Selbst kontaminiertes Wasser ist trinkbar,
weil die Erreger von der Magensäure abgetötet werden. Legionellen sind nicht ansteckend und werden auch nicht von Mensch zu Mensch
übertragen (z. B. durch Tröpfcheninfektion). Das Problem sind vielmehr die feinen Wassertröpfchen (Aerosole),
die etwa beim Duschen oder durch Luftbefeuchter in die Raumluft gelangen und eingeatmet werden.
Legionellen sind gefährlich, wenn sie die Atemwege erreichen – insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem,
ältere Personen, Raucher und chronisch Kranke (z. B. Diabetes, Asthma). Dabei ist eine bestimmte Legionellen-Art
für die meisten Infektionen verantwortlich: Legionella pneumophila.
Die Diagnose wird in den meisten Fällen durch einen Antigen-Nachweis im Urin gestellt. Nur in seltenen Fällen ist ein kultureller
Nachweis aus einer Atemwegsprobe notwendig.
Legionellen entstehen und vermehren sich am besten in warmem, stehendem Wasser – besonders bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Gerade in Trinkwasseranlagen finden sie einen idealen Nährboden in Biofilmen, Kalk und Schmutz. Außerdem fördern lange Standzeiten und mangelnde Wartung ihr Wachstum.
Obwohl sie auch im Kaltwasser vorkommen, vermehren sie sich unter 20 °C kaum. Das bedeutet aber nicht, dass Kaltwasser in der Trinkwasseranlage vor Bakterien geschützt ist. Findet kein regelmäßiger und ausreichender Wasseraustausch statt oder sind die Rohrleitungen nicht gedämmt, kann sich das Kaltwasser erwärmen – und auch dort können sich Legionellen vermehren.
Was Legionellen-Nachweise erschwert: Legionellen nutzen Biofilme als Schutz & Versteck
Im Biofilm finden Legionellen alles, was sie zum Überleben brauchen. Zum Beispiel nutzen sie Amöben als Wirte, um sich ungehindert zu vermehren.
Irgendwann platzt die Wirtszelle dann und die Legionellen gelangen ins Wasser.
Außerdem haben Legionellen die Eigenschaft, in einen „Tiefschlaf“ zu fallen (sog. VBNC = viable but non-culturable).
In diesem Zustand sind sie am Leben, lassen sich aber mit normalen Wassertests nicht finden.
Verbessern sich ihre Lebensbedingungen wieder, reaktivieren sich die Legionellen im Wasser.
Die beste Strategie ist immer, einem Legionellenbefall vorzubeugen. Zum Abtöten von Legionellen dient meistens eine
thermische Desinfektion. Doch eine einmalige Erhitzung reicht nicht, um alle Keime zu beseitigen.
Im schlimmsten Fall machen falsch durchgeführte Maßnahmen die Legionellen hitzeresistenter und
beschädigen die Trinkwasserinstallation.
Viel wichtiger ist es, die Ursache des Legionellenbefalls herauszufinden und zu beheben. Denn eine thermische Desinfektion behandelt nur die
Symptome, nicht die Ursache. Ohne Ursachenbehebung kehren die Legionellen immer wieder zurück.
In den meisten Fällen finden sich typische Mängel wie:
Um Legionellen im Trinkwasser sicher abzutöten, muss die Wassertemperatur mindestens auf 70 °C erhitzt werden.
Für den Alltag sollte die Standard-Temperatur mindestens 60 °C betragen.
Allerdings sind viele Anlagen rein technisch gar nicht dafür ausgelegt, so hohe Temperaturen dauerhaft zu führen.
Für Trinkwasserinstallationen gelten strenge technische Regeln.
Große Anlagen wie z. B. in öffentlichen oder gewerblichen Gebäuden müssen ihr Trinkwasser regelmäßig testen lassen.
Legionellen werden ab einem Wert von 100 KBE/100 ml gefährlich – eine Meldung an das Gesundheitsamt
und die Umsetzung von Gegenmaßnahmen ist Pflicht.
» Mehr erfahren: Gefährdungsanalyse für Trinkwasser
Das Wichtigste ist, potenzielle Risiken zu kennen und präventiv zu handeln:
Als Faustformel gilt: Kaltwasser muss kalt sein, Warmwasser muss warm sein – und Wasser muss fließen.
Achten Sie daher auf die optimale Wassertemperatur, vermeiden Sie Stagnation und setzen Sie auf eine gute Wartung Ihrer Trinkwasser-Installation.
Unsere Experten für Risikoabschätzung nach § 51 TrinkwV
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