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Thermische Desinfektion bei Legionellen

Thermische Desinfektion bei Legionellen – Ablauf & Vorteile

Inhalt

Wann ist die thermische Desinfektion von Trinkwasseranlagen sinnvoll?

Hohe Wassertemperaturen töten Legionellen effektiv ab. Darum gilt die thermische Desinfektion als eine der wichtigsten Sofortmaßnahmen bei hoher Legionellenkonzentration im Trinkwasser. In gewissen Fällen und richtig durchgeführt, kann das Verfahren helfen, die Keimbelastung schnell zu senken.

Daher erklären wir Ihnen in diesem Beitrag, wann die (anlassbezogene) thermische Desinfektion gegen Legionellen hilfreich ist und wie sie funktioniert. Sofortmaßnahmen führt.

Was ist eine thermische Desinfektion?

Eine Anlage thermisch zu desinfizieren, bedeutet: Warmwasser und Leitungen werden gezielt auf eine hohe Mindesttemperatur erhitzt und alle Entnahmestellen werden für eine definierte Zeit gespült. Das Verfahren erfolgt im Rahmen einer Risikoabschätzung professionellen Legionellen-Sanierung. Ziel ist es, Legionellen im Wasser abzutöten und so die Keimzahl zu minimieren.  Mehr erfahren » Legionellen: Was tun? – Eine Checkliste mit Sofortmaßnahmen

Formen der thermischen Desinfektion

Fachlich wird zwischen 2 Formen der thermischen Desinfektion unterschieden:

Die vorbeugende thermische Desinfektion,

besser bekannt als Legionellenschaltung.

Trinkwasseranalyse, wenn Warmwasserspeicher und Rohrleitungen mit Bakterien verunreinigt sind.

Notfallmaßnahme bei Legionellen

Hier wird das Warmwasser so weit aufgeheizt, dass an allen relevanten Stellen der Trinkwasserinstallation für eine definierte Zeit bestimmte Temperaturen anliegen. Die Kombination aus Hitze und Einwirkzeit ist entscheidend, um Legionellen sicher abzutöten.

Relevante Vorschriften

  • Die thermische Desinfektion kann eine wirksame Sofortmaßnahme bei erhöhten Legionellenwerten sein.
  • Die Durchführung erfolgt nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik, insbesondere gemäß DVGW W 551 (inkl. Merkblatt W 551‑3) und VDI-Richtlinie 6023.
  • Zusätzlich besteht die Pflicht zur Gefährdungsanalyse und Sanierung, um eine Wiederverkeimung zu vermeiden. Die rechtlichen Anforderungen ergeben sich aus der Trinkwasserverordnung (TrinkwV).

Wann muss eine thermische Desinfektion gemacht werden?

Die thermische Sanierung ist angezeigt, wenn eine konkrete Gefährdungssituation vorliegt. Zum Beispiel, sobald der Maßnahmenwert für Legionellen erreicht oder überschritten ist. Ziel der thermischen Desinfektion ist es, die Legionellenbelastung rasch zu senken, bis die Ursachen gefunden und dauerhafte Maßnahmen festgelegt sind.

Wie oft ist die thermische Desinfektion nötig?

Eine fachgerechte thermische Desinfektion nach DVGW W 551 ist keine Routinemaßnahme, sondern anlassbezogen durchzuführen. Zum Beispiel bei:

  • Erreichen oder Überschreiten des Legionellen-Maßnahmenwertes von 100 KBE pro 100 ml.
  • Kontamination mit anderen Erregern oder Schadstoffen
  • auf Anordnung bzw. Empfehlung der zuständigen Behörde

Wer darf eine thermische Desinfektion durchführen?

Eine thermische Desinfektion darf nur von speziell geschulten Fachkräften durchgeführt werden. Qualifizierte Installationsbetriebe kennen die notwendigen Schritte und die Sicherheitsvorschriften, um das Gefährdungspotenzial richtig einzuschätzen und individuelle Maßnahmen zu planen.

Legionellenbefall? – Wir helfen zuverlässig!

Wir stehen Ihnen im Ernstfall zur Seite. Als unabhängige Sachverständige unterstützen wir Sie bei der Risikoabschätzung und den richtigen Sanierungsschritten, um Legionellen dauerhaft loszuwerden.

Vor der thermischen Desinfektion:

Voraussetzungen prüfen & Vorbereitungen treffen

1) Installationsmaterialien kontrollieren

Eine wichtige Bedingung für die thermische Desinfektion der Anlage ist ihre Eignung. Alle Bauteile und Rohrmaterialien der Trinkwasserinstallation müssen den hohen Temperaturen über 70 °C standhalten können, ohne Schaden zu nehmen.

2) Sicherheit gewährleisten

Während der thermischen Desinfektion besteht Verbrühungsgefahr. Vor Beginn müssen daher die Nutzer des Gebäudes informiert werden. In sensiblen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Kitas stimmen Betreiber das Vorgehen eng mit der jeweiligen Leitung ab, um den Schutz der dort befindlichen Personen sicherzustellen.

3) Speicherkapazität berücksichtigen

Fachleute prüfen, ob Warmwasserspeicher und Wärmetauscher genug Leistung haben, um die Anlage vollständig mit heißem Wasser zu versorgen und alle Warmwasserzapfstellen zu spülen. Reicht das Speichervolumen dafür nicht aus, erfolgen mehrere direkt aufeinanderfolgende Aufheiz- und Desinfektionszyklen, damit bereits desinfizierte Leitungsbereiche nicht wieder mit Legionellen belastet werden.

4) Zugänglichkeit sichern

Die thermische Desinfektion ist nur dann zielführend, wenn alle Bereiche der Installation einschließlich der Entnahmearmaturen erfasst werden. Daher muss gewährleistet sein, dass sich im Wassersystem keine „Totleitungen“ mit stagnierendem Trinkwasser befinden.

Ablauf: die thermische Desinfektion durchführen

Schritt 1:

Schrittweises Aufheizen des Warmwassersystems

  • Während des Aufheizens bleiben alle Warmwasser-Entnahmestellen geschlossen. Ziel ist, im gesamten Warmwassersystem eine Temperatur von mindestens 70 °C zu erreichen.
  • Die Zirkulationspumpe läuft dabei im Dauerbetrieb, damit das heiße Wasser alle Leitungsabschnitte durchströmt und keine kühleren Bereiche verbleiben.
  • Erst wenn an geeigneten Messpunkten erkennbar ist, dass die geforderte Temperatur im gesamten System anliegt, beginnt die eigentliche Desinfektion an den Entnahmestellen (Schritt 2).

Schritt 2:

Behandlung der einzelnen Entnahmestellen

In einem nächsten Schritt öffnen die Fachkräfte die Warmwasser -Entnahmestellen nacheinander vollständig.

  • An jeder Stelle lassen sie das Wasser so lange laufen, bis dort mindestens 3 Minuten lang eine Temperatur von 70 °C erreicht und gehalten wird.
  • Die Temperatur wird mit geeigneten Messgeräten kontrolliert, die Einwirkzeit mit einer Uhr erfasst.

Schritt 3:

Dokumentation der Durchführung

Alle Messungen und Abläufe fließen in eine sorgfältige Dokumentation ein. Festgehalten werden unter anderem:

  • Datum der Durchführung
  • Uhrzeit von Beginn bis Ende der thermischen Desinfektion
  • Raumbezeichnungen
  • Bezeichnung der Entnahmestellen
  • Erreichte Maximaltemperatur
  • Dauer des Fließens des Wassers mit Maximaltemperatur

Schritt 4:

Kontrolle von Armaturen und Auslassstellen

  • Parallel zur thermischen Behandlung prüfen Fachleute die Perlatoren, Duschköpfe und andere Auslassarmaturen.
  • Stark verschmutzte oder verkalkte Bauteile werden von Ablagerungen gereinigt oder bei Bedarf ausgetauscht, damit Legionellen nicht wieder ins System gelangen.

Rückkehr in den Normalbetrieb und Erfolgskontrolle

Nach Abschluss der thermischen Desinfektion stellt das Fachunternehmen die Anlage schrittweise wieder auf den normalen Betriebszustand um. Ob die Maßnahme erfolgreich war, zeigt die verpflichtende Nachkontrolle. Wichtig ist, die technischen Mängel der Anlage endgültig zu beheben.

Thermische Desinfektion bei Kaltwasser?

Bei der thermischen Desinfektion werden Kaltwasserleitungen nicht einbezogen. Erhöht sich jedoch die Temperatur in den Kaltwasserrohren – zum Beispiel durch schlechte Dämmung oder Stagnation – können sich Legionellen auch dort vermehren.  Es ist ratsam, das Kaltwasser separat untersuchen zu lassen.

Vorteile der thermischen Desinfektion

  • Senkt Legionellenbelastung schnell
  • Keine chemischen Zusätze erforderlich
  • Gut als Sofortmaßnahme einsetzbar
  • Gilt als rechtlich anerkannter Hygiene-Schritt
  • Einfache Durchführung durch Fachkräfte möglich

Gleichzeitig hat das Verfahren auch handfeste Nachteile: wirkt nur vorübergehend, Ursache und Legionellen bleiben bestehen, hoher Energie- und Arbeitsaufwand etc.

Fazit: Thermische Desinfektion im Hygienekonzept

Die thermische Desinfektion bei Legionellen ist eine wichtige Sofortmaßnahme, wenn erhöhte Legionellenwerte festgestellt werden. Sie kann die Keimzahlen deutlich senken und das Risiko für Nutzer vorübergehend reduzieren.

Gleichzeitig verschafft sie Zeit, um Ursachen zu klären und nachhaltige Lösungen vorzubereiten. Die thermische Desinfektion ist stets Teil eines ganzheitlichen Hygienekonzepts. Dauerhaft sicher wird eine Trinkwasserinstallation nur, wenn alle technischen Mängel behoben wurden.

Quellen:

1) mkk – Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr: Merkblatt „Thermische Desinfektion“ bei Legionellenbefall

2) DVGW: Desinfektion von Trinkwasser-Installationen zur Beseitigung mikrobieller Kontaminationen. In: twin, Nr. 5, 2009

3) Dr. Christian Schauer: Warum die thermische Desinfektion nicht vor Legionellen schützt

Was passiert im Erstgespräch?

Im gemeinsamen Erstgespräch gehen wir gemeinsam durch das Schreiben vom Gesundheitsamt und planen die genauen Schritte zur Analyse Ihres Trinkwassers und zur nachhaltigen Beseitigung Ihres Legionellenproblems. 

Über den Autor

Marco Holz

Marco Holz ist zertifizierter Experte nach VDI 6023 Kategorie A, auf die Risikoabschätzung spezialisiert und Ihr persönlicher Ansprechpartner zum Thema Legionellen.

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